Von Santa Cruz geht es morgens nach dem Frühstück Richtung Samaipata. Erst mal unser ganzes Zeug wieder zusammenpacken und das entstandene Chaos in unserem kleinen Zimmer beseitigen. Taxi rufen lassen, das sieht inklusive Fahrer zwar nicht vertrauenserweckend aus, aber egal, wir werden holprig, aber ohne Probleme zum „Bus Terminal“ gefahren, bei dem Minibusse (trufis) Richtung Samaipata fahren. Ein gelangweiltes Mädel in einem kleinen Büro sagt, dass wir hier richtig sind. Der Fahrer gibt uns zu verstehen, dass jetzt noch 3 Leute fehlen. Es ist so, dass die trufis erst dann losfahren, wenn sie voll sind, anstatt einem festen Fahrplan zu folgen, was als Deutscher nicht ganz einfach nachzuvollziehen ist, aber wir haben ja Zeit ? Nach einer halben Stunde geht es dann auch schon los, Glück gehabt, die 2 Holländer aus dem vorherigen Hostel meinten, sie hätten über 2 Stunden gewartet, und dann einfach den 6. Platz zusätzlich bezahlt, weil sie keine Lust mehr hatten zu warten.

Die Fahrt ist ok und dauert ca. 3 Stunden. Samaipata liegt an den Ausläufern der Anden (subandes) auf 1650 m und ist mit 9700 Einwohnern überschaubar. Das Hostel Andorina versprüht eine angenehme und entspannte Atmosphäre und in unserem Zimmer mit Hochbett fühlen wir uns direkt wohl.

Wir gehen erst mal in die Innenstadt und auf den Markt, der recht überschaubar und nett ist, und kaufen für das Abendessen ein. Es ist recht kalt und wir müssen schon mit Pullover und Jacke rumlaufen.

Wir leben jetzt schon seit 5 Tagen als Vegetarier, weniger aus Überzeugung als aus Hygienegründen, obwohl das Fleisch auf dem Markt recht frisch scheint (der Kopf des Bullen liegt noch auf dem Boden).

Das erste Abenteuer: Wanderung mit Marco

Man kann viel machen in Samaipata, es gibt alte Inka Ruinen (El Fuerte), der Nationalpark Amboró ist in der Nähe und es gibt viele Angebote an Wanderungen. Wir treffen Inga im Hostel, eine deutsche Reisende in unserem Alter aus Hannover, sie hat vor eine empfohlene Wanderung aus dem Hostel zu machen, die günstig scheint. Dafür soll man mit dem Taxi in den nächsten Ort Palermo fahren, dort nach jemanden suchen der Benjamin oder Marco heißt, der als Guide fungiert und dann per Anhalter zurückfahren. Klingt für uns nach deutschem Verständnis nach keiner guten Idee in einem Land wie Bolivien (es gibt viele Touranbieter im Ort, bei denen man ähnliche Touren buchen kann), aber Inga, die schon seit 9 Monaten in aller Welt unterwegs ist, überzeugt uns und wir sind ja auch für Abenteuer hier.

Also sitzen wir am nächsten Tag nach dem Frühstück im Taxi nach Palermo. Palermo besteht im Grunde nur aus 3 Hütten, Benjamin weilt nicht mehr unter uns, und Marco können wir erst nicht ausfindig machen, aber sein Nachbar führt uns zu ihm. Marco ist 75 Jahre alt und ein kleiner Bolivianer, der als Schreiner arbeitet, nicht mehr gut hören kann und nuschelt, aber wirklich sehr nett ist.

Er freut sich, dass wir vorbeischauen, nimmt sich seine Machete und wir ziehen los. Nach kurzer Zeit gehen wir querfeldein ein in die Büsche, wo dann auch die Machete zum Einsatz kommt und dann immer weiter hoch hinauf. Tolle Ausblicke auf die grünen Anden und ein tolle Bergkette.

Wir kommen ganz schön ins Schwitzen, nicht nur weil wir viel zu viel anhaben wegen der gestrigen Kälte (und jetzt scheint die Sonne), sondern auch, weil da ganz oben auf der Bergkette, der Weg manchmal eng wird und es links und rechts sehr weit nach unten geht. An einer Stelle müssen wir mit allen Vieren über Steine klettern, ein Ausrutscher und man würde hunderte Meter in die Tiefe fallen. Zum Glück passiert das nicht, aber nervenaufreibend ist es.

Dann geht es aber langsam und entspannt wieder nach unten, zu tollen Wasserfällen, bei denen wir erstmal eine längere Pause machen.

Zurück versuchen wir uns dann per Anhalter, ist aber schwierig, da auch kaum Autos unterwegs sind. Daher begleiten wir Marco noch mit nach Hause, bezahlen ihm sein Honorar (ca. 10€ für alle zusammen) und haben dann nach ca. 1 Stunde Glück, dass in einem trufi 3 Plätze frei sind, das uns Richtung Hostel bringt. Ein erstes wirkliches Abenteuer, das obwohl es eigentlich nicht klappen kann, sehr gut geklappt hat, super günstig war mit vielen schöne Momenten und Ausblicken.

Samaipata – Ruhe  und Entspannung in den Bergen

Samaipata und das Hostel gefallen uns so gut, dass wir spontan von 3 auf 5 Tage verlängern, bevor es dann nach Sucre geht. An 2 Tagen machen wir so gut wie gar nichts, Tina arbeitet ein wenig, besucht einen Bauchtanzkurs, und wir liegen in der Hängematte. Wir machen einen kleinen Ausflug zu einer Tierauffangstation, bei denen es einige exotische Tiere zu begutachten gibt. Vor allem die Tukane haben es mir angetan.

Wir planen für den Donnerstag dann doch noch eine 2. Wanderung und schließen uns kurzfristig einer Gruppe an, die wir bei einem Veranstalter (Kaleidoscope) gebucht hat. Die Wanderung ist weniger spektakulär als die mit Marco und es windet sehr, aber trotzdem schön und nette Leute. Vor allem der Tourguide ist super, er ist Bolivianer aber kann perfekt Deutsch, da er Geschwister in Deutschland hat und auch schon oft zum Arbeiten dort war. Er hat unter anderem Wurst „gewurstet“, d.h. er kennt alle Arten davon, von der Currywurst bis zur Weißwurst. Er erklärt sehr viel über die Kultur, den Anbau von Früchten in der Region, die großen Gasvorkommen in Bolivien usw. und überrascht immer wieder, dass er sogar Begriffe wie Brotzeit und wilde Tomaten kennt 🙂

Samaipata ist auf jeden Fall eine Reise wert, touristisch erschlossen, aber hat sich bisher den Charme eines kleinen Dorfes erhalten.

3 Kommentare
  1. Johannes G
    Johannes G sagte:

    Wenn man nicht schon etwas neidisch wäre, wegen der tollen Bilder, könnte man es glatt werden, wegen den tollen Erzählungen 🙂
    Ist ja traumhaft 🙂 nur das Wort „arbeiten“ bei Tina hat mich etwas stutzig gemacht 🙂

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  2. Irmgard Stockhausen
    Irmgard Stockhausen sagte:

    Da kann ich mich Johannes nur anschließen. Es macht Spaß von euren Abenteuern zu lesen und die Bilder auf sich wirken zu lassen. Ihr seid nun in eine andere Welt eingetaucht. Gut, dass euch Marco heil wieder zurück gebracht hat. Allein die Wanderung wäre für mich schon ein Überlebensstraining gewesen.
    Maat et joot Ma

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