Kolumbien – Einreise mit Hindernissen

Wir verabschieden uns von Diana und Tsu und fahren mit dem Bus Richtung Lima Flughafen. Es ist zwar traurig, uns von unseren neuen Freunden zu verabschieden, aber gerade im Bus merken wir, dass es auch an der Zeit ist weiter zu ziehen und freuen uns jetzt auf neue Abenteuer und darauf ein neues Land kennen zu lernen. Angekommen am Flughafen wollen wir unser Gepäck einchecken, leider geht das aber nicht so einfach, es wird sehr nervenaufreibend…

Der Typ vom Schalter bei der Airline VivaColumbia will unser Weiterreisetickets sehen, sprich einen Beweis, dass wir auch wieder aus Kolumbien ausreisen werden, die haben wir aber nicht… Wir hatten uns darüber keine Gedanken mehr gemacht, in Bolivien und Peru war die Einreise kein Problem, eine Weiterreise hatte niemanden interessiert. Wir versuchen ein wenig zu diskutieren und erfinden eine schnelle Story, wie wir denn wohin weiterreisen wollen, aber es bringt nichts, keine Chance… ohne Ticket, kein Check-In.

Da ich mich mit dem Thema schon für Bolivien auseinandergesetzt hatte, kenne ich noch eine Seite, bei der man voll erstattungsfähige Flugtickets für 10 USD pp „mieten“ kann, also wirkliche Tickets, die dann aber nach 24h wieder von dem Dienstleister storniert werden, daher bin ich erstmal ganz ruhig, gehe mit dem Smartphone ins Internet auf flyonwards.com. Diesen Service zu buchen macht aber keinen Sinn, da die komischerweise Öffnungszeiten haben und in Bangkok sitzen, als genau 12h hinter uns, 3 Uhr Nachts. Naja, also versuche ich noch ein paar andere Seiten, aber überall das Gleiche, so kurzfristig wird das nichts. Zweite Möglichkeit: ein wirkliches Weiterreiseticket per Bus oder Flugzeug buchen, so schnell finden wir aber nichts Günstiges, alles über 100 USD pp, und der nächste mögliche Stopp (USA) ist auch nicht auf die Schnelle günstig zu finden und eigentlich wissen wir ja auch noch gar nicht wann genau wir dorthin wollen. Im Endeffekt behelfen wir uns mit einem „Busticket“, dass andere Leute sicherlich auch selbst mit Word und pdf erstellen könnten 😉 Mit diesem „Ticket“ auf dem Smartphone gezeigt, dürfen wir einchecken, das Problem bei der Immigration in Kolumbien ist damit aber noch nicht gelöst.

Beim Boarden geht der Spaß dann weiter. Wir werden beim Ticket vorzeigen raus gewunken, keiner sagt uns aber so richtig, warum. Wir werden zu 2 Koffern gebracht, einer von Tina, einen kennen wir nicht, aber an beiden ist ein Label mit Tinas Namen darauf, na super, von einem Drogenland ins nächste mit einem Koffer, der uns nicht gehört, naja, wir klären das zumindest auf.

Im Flugzeug wollen wir dann zusammensitzen, VivaColumbia hat uns netterweise wieder möglichst weit auseinandergesetzt. Das Flugzeug ist halb leer, also sollte das kein Problem sein. Ich frage die Stewardess und die sagt, das geht nicht. Irgendwie gibt uns das den Rest, und die Anspannung entlädt sich bei den Stewardessen und auch zwischen Tina und mir. Irgendwann sitzen wir aber zusammen, und überlegen dann gemeinsam, wie wir die Einreisekontrolle überstehen können. Eins ist klar, Lügen ist keine Option, die kolumbianische Gefängnisse wollen wir nicht von innen kennen lernen.

In der Schlange zur Immigration beschließen wir dem Grenzbeamten einfach das „Busticket“ zu zeigen, und wenn er weiter nachfragt, zu sagen, dass es halt nur ein Zeitplan ist und kein wirkliches Ticket. Wir kommen aus Zufall an einen Grenzbeamten, der normalerweise die Piloten abfertigt. Wir sind ziemlich nervös, versuchen aber unser Pokerface aufzusetzen, er schaut uns an, gibt ein paar Sachen in seinen PC ein, stempelt unsere Reisepässe und sagt kein Sterbenswörtchen. Und zack sind wir in Kolumbien, erleichtert (auch um 2 Mio. Nervenzellen). Gegen 12 Uhr nachts kommen wir in unserem Hostel in La Candelaria (Altstadt) an, trinken auf die Schnelle noch ein Entspannungsbier und fallen ins Bett.

Mit dem Radel durch Bogotá

Bogotá auf 2640 m ist die dritthöchste Hauptstadt der Welt, und dabei wollten wir eigentlich nicht mehr in die Höhe ? Wir haben hier aufgrund günstiger Flugtickets nur 2 Nächte. Daher geht es am nächsten Morgen direkt mal auf eine Fahrradtour mit Bogotá Bike Tours durch die Stadt.

Mal ein neues Erlebnis, eine Stadt zu erkunden. 4 Stunden fahren wir durch verschiedene Viertel, auch durch welche, wie das Rotlichtviertel, die man wohl zu Fuß und alleine nicht erkunden sollte, durch verschieden Parks, zu einem großen Markt zum Früchte probieren, zu einer Kaffeerösterei, wo wir köstlichen kolumbianischen Kaffee genießen, zu Kirchen usw.

Es gibt auch jede Menge Street Art, die auf interessante Weise die Geschichte der Stadt erzählen oder Kritik üben an Politik und Wirtschaft:

Mein Highlight ist allerdings ein Hinterhof, in dem (wahrscheinlich vor allem Männer) ein interessantes Spiel spielen. Es heißt Tejo. Man wirft eine schwere eiserne diskusförmige Scheibe (den Tejo) aus ca. 20 m in einen großen Kreis aus Lehm, versucht dabei die Mitte zu treffen, in der kleine Plättchen mit Schwarzpulver gefüllt liegen. Ein Spiel mit Werfen und großem Knall klingt schon mal gut, als dann auch noch die Musik angeht und es Bier gibt, bin ich direkt großer Fan! Hier mal ein Eindruck:

Die Fahrradtour ist übrigens auch deswegen ganz cool, da Bogotá wirklich eine fahrradfreundliche Stadt ist, das überrascht uns, in La Paz oder Lima wären wir nur ungern durch die Stadt mit deinem Drahtesel gegurkt. Hier gibt es zahlreiche Radwege und jeden (!) Sonntag werden sogar die meisten Hauptstraßen für Autos gesperrt. Top!

Nach der Tour geht es sofort weiter in die Stadt, wo wir das weltbekannte Goldmuseum (Museo del Oro) besuchen wollen. Zeitgleich beginnt auch das WM-Qualifikationsspiel Kolumbien – Brasilien. Den ganzen Tag fallen uns schon die gelb bekleideten Leute aller Schichten auf (am besten ist der Typ im Anzug und Krawatte, der aber über dem Hemd das Trikot trägt). Die Stadt steht, obwohl es 3 Uhr nachmittags ist, still. Überall wird geschaut, selbst im Supermarkt tummeln sich die Leute und die Kassierer sind eigentlich nicht mehr ansprechbar 🙂

Im Museum ist daher wenig los, wenn ich auch einmal ein riesen Schrei durch die Stadt höre, das 1:1. Das Museum ist wirklich beeindruckend, hier werden über 35.000 präkolumbischer Goldobjekte ausgestellt, weltweit einzigartig. Das muss natürlich durch große Tresore geschützt werden.

Als es dunkel wird, gehen wir nach Hause, die Gegend soll bei Nacht nicht sicher sein, und im Hostel erfahren wir, dass am Tag vorher einer mit einem großen Messer überfallen wurde, das muss nach dem ganzen Stress (und auch so nicht) sein.

Am nächsten Morgen gehen wir noch schnell ins Museum Botero, das ist ein Muss und außerdem gratis. Dieser weltbekannte, noch lebende, Künstler zeigt den menschlichen Körper wie auch alle anderen Formen in überzeichneten Proportionen, was im Grunde heißt, dass seine Figuren dick sind – sehr dick. 1977 schuf er beispielsweise eine Variation von Leonardo da Vincis Mona Lisa mit kugelrundem Gesicht. Es heißt es gibt 3 Persönlichkeiten, die in Kolumbien wirklich jeder kennt, neben Botero ist das Marquez und Shakira 🙂

Und dann müssen wir auch schon los zum Flughafen, um 10:30 morgens, um abends um 19:30 den Flug zu nehmen, klingt bescheuert, und ist es auch. Aber der Papst ist im Anmarsch und die Straße zum Flughafen wird um 12 Uhr gesperrt, also haben wir keine andere Wahl, als den ganzen Tag am Flughafen zu verbringen, dieser ist zumindest nigelnagelneu. Auf dem ganzen Weg zum Flughafen steht alle 10 Meter ein Polizist, es werden an die 35.000 eingesetzt und ab Mittag ist der Flughafen wirklich wie eine Festung, keiner kommt mehr raus oder rein. Unser Flug geht zum Glück pünktlich und endlich geht es Richtung Sonne, Strand und Meer 🙂 Ein kurzer, aber gelungener Abstecher nach Bogotá, wo wir gerne noch 2-3 Tage länger geblieben wären.

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