Achtung, Achtung! Dies ist ein Warnhinweis an alle, die zur Zeit eine Diät machen, an alle Veganer und Vegetarier. Dieser Artikel handelt größtenteils von köstlichem Essen, viel rohem Fisch und Fleisch und anderen Schweinereien, aber das ist auch kein Wunder, denn wir sind in einer der Fresshauptstädte der Welt gelandet, in Lima 🙂

Schön mal wieder ein Zuhause zu haben

Wir überlegen in Arequipa, wie wir weiter machen, eigentlich haben wir noch Nazca, Ica und Huacachina auf dem Programm. Aber wir merken, dass wir ein wenig erschöpft sind von den vielen Eindrücken. Außerdem wollen wir nicht wieder Nächte lang Bus fahren und die Strecke scheint momentan eh schwierig zu sein, da es aufgrund eines Erdbebens einen Erdrutsch gab und die Panamericana an einer Stelle abgerutscht ist. Da Flüge recht günstig sind, entscheiden wir daher spontan einen Flug mit Peruvian Arlines (für ca. 60€ pp) direkt nach Lima zu buchen.

In Lima nehmen wir den Bus nach Miraflores, wo uns bereits Diana und Tsu erwarten. Die beiden kennen wir nur indirekt. Diana wohnte bei meiner Familie in meinem Zimmer während meines USA-Aufenthaltes in 2002. Umso schöner, dass wir uns 15 Jahre später endlich mal kennenlernen können, und das wir sogar bei ihnen wohnen können. Sie haben eine tolle Wohnung im sichersten Viertel der Stadt, und wir haben sogar ein eigenes Schlafzimmer 🙂

Angekommen, machen wir erst mal die ein oder andere Pulle Wein auf, und es gibt so tolle Sachen wie französischen Käse, (echten) Schinken und Wurst, ein Traum. Am darauffolgenden Tag müssen Diana und Tsu arbeiten und wir erkunden ein wenig das Viertel. Uns wird aber vorab schon gesagt, wo wir uns aufhalten sollen, Miraflores sowie ein angrenzendes Viertel sind sehr sicher, alles andere eher nicht. Man lebt generell hier in einer Blase, in der es eine heile Welt gibt, drumherum gibt es viel Armut und Kriminalität. Zum Beispiel sollen wir unsere Taschen während der Autofahrten durch besagte andere Viertel besser auf den Boden stellen, da ansonsten jemand die Scheibe einschlagen könnte, um diese zu klauen.

Wir fühlen uns wirklich nach kurzer Zeit wie zu Hause, eigentlich wie in einer WG. Es ist schön nach all den Hostels und Hotels mal wieder ein zu Hause zu haben, mit Küche, Wohnzimmer usw. Das hängt auch wirklich mit unseren tollen Gastgebern zusammen, die uns sehr sehr herzlich aufnehmen, super nett sind, leckeres Essen kochen, uns vieles zeigen, und immer wieder erwähnen, dass wir so lange bleiben können, wie wir mögen.

Außer uns Vieren leben auch noch 2 Katzen mit den Namen Mochi und Yani mit uns, Mochi, die graue mit den großen grünen Augen ist eher zurückhaltend, Yani, die weiße mit den verschiedenfarbigen Augen, sehr aufgeweckt und es macht sehr viel Spaß mit ihr zu spielen.

Samstags fahren wir zu den Ruinen einer antiken Stadt namens Pachacámac aus der Wari- und Inka-Kultur. Wir bekommen eine Führung und besuchen die Stätte teilweise per Auto oder zu Fuß:

Sonntags fahren wir in die Stadt Callao, die direkt neben Lima liegt, wir aber alleine aus Sicherheitsgründen nicht besuchen sollen. Dort besuchen wir erst die spanische Festung Fortaleza de Real Felipe und dann geht es in einen interessanten Stadtteil, der einst berüchtigt war für Drogendelikte und hohe Kriminalität. Hier wird versucht mit Kunst (vor allem Street Art teils weltberühmter Graffitikünstler) aus dem Ghetto ein lebenswertes Viertel zu machen und so den Leuten eine Chance zu geben.

Die weiteren Tage besuchen wir mit Diana die Altstadt mit der Plaza de Armas (ich steh auf Stelzen :)):

Und hier beeindruckt uns vor allem die Führung im Franziskanerkloster „Convento de San Francisco“, errichtet von 1673 bis 1774, von 2 Erdbeben in die Länge gezogen.

Das Kloster  beherbergt eine schöne und wertvolle Bibliothek mit 25.000 antiken Texten, die an Harry Potter erinnert :), diese zählte Anfang des 17. Jahrhunderts zu einer der modernsten der Welt. Und dann kommt der gruselige Teil, der Besuch in den Katakomben des Klosters, welches bis 1808 als Friedhof diente mit geschätzten 70.000 Skeletten, teilweise systematisch angeordnet:

By http://www.flickr.com/photos/quinet/http://www.flickr.com/photos/quinet/111247439/in/set-72057594049628640, CC BY 2.0, Link

Außerdem besuchen Tina und ich noch die Stadtteile Barranco…

…und verbringen viel Zeit in Miraflores, gehen zum Frisör (für 4€ zu dem Man with boobs ?), schauen den Surfern und Paraglidern zu, und treiben nach Wochen auch mal wieder Sport! Ich gehe mit Tsu und seinen brasilianischen Kumpels endlich mal wieder Fußball spielen und Tina und ich finden sogar eine Möglichkeit Tennis zu spielen 🙂

Das Wetter ist über die ganze Zeit eher bescheiden, es ist halt Winter, was eher einem deutschen Herbsttag ähnelt. Es ist an die 20 Grad und immer grau, hier und da zeigt sich die Sonne mal. Es regnet allerdings nicht, Peru ist eine der regenärmsten Städte der Welt. So sieht es dann hier im Sommer aus:

Tina, Diana und Tsu gehen auch noch zu einer Peña, einer traditionellen Party, bei der ich leider nicht teilnehmen kann, da ich diesmal ein paar gesundheitliche Probleme habe (nach einer Antibiotikabehandlung ist aber schnell alles wieder gut). Tina gewinnt dort fast einen Tanzkontest, setzt sich gegen Latinas in Form von Peruanerinnen, Kolumbianerinnen und sogar Brasilianerinnen durch, aber gegen den nicht tanzend wollenden Inder klappt es nicht 🙂 Schade, es hätte einen Eimer Bier als Preis gegeben 😀

Wir lernen auch Dianas Familie kennen und treffen uns an einem Feiertag alle zum Essen:

Mmmmhh, Lima ist einfach lecker!!!

Lima ist wirklich die Hauptstadt des Essens, wir dachten immer das wäre irgendwo in Italien (oder ganz Italien? 🙂 ) oder in Südostasien, aber Lima kann da wirklich ganz ohne Probleme mithalten.

Wir probieren ein paar interessante Sachen Rinderherzen, hier unter dem Namen Antichuchos bekannt und sehr beliebt…

… Cannelloni gefüllt mit Schweinehirn…

…sowie frittierte Schweineohren (Chanchiears :)).

Klingt komisch, schmeckt aber wirklich alles fantastisch 🙂

Um nicht jetzt tausend einzelne Fotos von Essen zu posten, hier ein wildes Potpourri von den ganzen Köstlichkeiten.

Zu erwähnen ist sicherlich noch ein Besuch in dem Restaurant „La Mar“, einer Cevichería, die nicht ganz günstig ist, aber für uns ein Muss. Es ist eines von vielen Restaurants, das Gastón Acurio gehört, ein Vereter der Cocina Novoandina („Neuandine Küche“). Diese bezeichnet einen aktuellen Trend, traditionelle Rezepte und Zubereitungsmethoden des Andenraums in die moderne Gastronomie zu integrieren. Mit diesem Vorhaben sollen einerseits Feinschmecker aus aller Welt angezogen werden, auf der anderen Seite soll damit aber auch die einheimische Kultur gestärkt und weiter verbreitet werden. Und das ist unter anderem Gaston Acurio gelungen, er besitzt weltweit 40 Restaurants und setzt sich für gerechte und effiziente Strukturen in der Nahrungsmittelkette ein. Das ist so erfolgreich, dass mittlerweile sogar Touristen nur zum Essen nach Lima kommen ?

Aus Zufall speist er auch gerade im La Mar (in Peru ist er ein echter Star) und da er uns natürlich durch unseren Blog kennt, fragt er uns, ob wir mit ihm ein Foto machen, wir stimmen natürlich zu 😀 Dem Kellner, der das Foto macht, zittern natürlich die Hände bei der Fülle von bekannten Persönlichkeiten.

Abends findet man uns meistens im Papacho’s (auch Gaston Acurio) in der Mall Larcomar direkt am Meer zur Happy Hour, um Piscokreationen zu kosten.

Als wir im Papacho’s mal wieder einkehren und uns die Bedienung begrüßt uns mit „Oh, ist schon wieder Happy Hour?“ merken wir, dass es langsam wohl Zeit wird, weiter zu ziehen 😀

Und das machen wir dann auch. Nach 3 Wochen in Lima fühlen wir uns bereit für neue Abenteuer, auch wenn der Abschied von unseren neuen Freunden schwer fällt ?

2 Kommentare
  1. Johannes G
    Johannes G sagte:

    Beeindruckend ihr 2, wirklich toll 🙂 Und diese Gastfreundschaft zeigt doch, dass die Welt doch noch in Ordnung ist 🙂

    Antworten

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