Wir fahren von Cuzco mit dem Nachtbus ca. 10h mit dem Unternehmen Transzela nach Arequipa. Eigentlich wollen wir unbedingt mal mit 180° Sitzen fahren, diese sind aber alle aufgrund des Nationalfeiertages ausgebucht, also nehmen wir die mit 160° und kommen noch relativ günstig weg (ca. 20€ pp). Angekommen in Arequipa begeben wir uns in unser Hostel Hospedaje de Leonardo (30 USD pro Nacht), wo wir auch erstmal ein leckeres Frühstück mit viel Avocado zu uns nehmen.

Lecker peruanische Kochkurse

Tina besucht am 2. Tag einen Schokoladenkurs bei Chaqchao Chocolates, in dem sie natürlich viel über die Geschichte und die Herstellung von Schokolade lernt, wie man gute und schlechte Schokolade anhand des Duftes erkennen kann und auch ihre eigenen Schokoladenpralinen (natürlich mit Coca und Chili) herstellt. Allerdings gibt es wohl nicht so viel Schokolade zum Probieren wie erhofft ?

Am 3. Tag besuchen wir beide einen Kochkurs, das steht schon seit langem auf unserer Agenda und Arequipa bzw. eigentlich ganz Peru scheint dafür der geeignete Ort zu sein. Für alle die es nicht wissen, Peru ist kulinarisch gesehen eines der besten und leckersten Länder der Welt, hier kommt grandiose Fusionsküche auf den Tisch, einige der besten Restaurants der Welt tummeln sich in Peru, vor allem in Lima, und auch persönlich können wir das nur bestätigen ?

Der Kochkurs bei Arthur (Peruvian Flavors) ist auf 3h Stunden angesetzt. Als Vorspeise gibt es das Nationalgericht Ceviche, roher weißer Fisch, in unserem Fall Majimaji, in Limettensaft denaturiert (= chemisch gesehen kommt es aufgrund der in den Limetten vorhandenen Zitronensäure zu einer Denaturierung des Eiweißes, ähnlich wie beim Garen) mit Zwiebeln, Chili, Koriander, Süßkartoffeln und Mais.

Als Hauptspeise gibt es Alpaka Filet flambiert mit Zwiebeln (auch als Lomo Saltado bekannt) und selbst gemachte Pommes. Dazu gibt es schon vor dem Kochen einen Pisco Sour (zum locker werden), und zum Essen Chicha Morada (hergestellt aus dem lila Mais maíz morado), beides Nationalgetränke, sehr beliebt und auch für uns sehr lecker. Das Essen schmeckt fantastisch, nicht nur weil wir es selber gekocht haben 🙂 Und Arthur ist ein netter Kerl, der schon in der ganzen Welt gekocht hat und seit ein paar Jahren sein eigenes Restaurant in dem Altstadtviertel von Arequipa eröffnet hat. Er lehrt uns auch grundlegende Schneidetechniken und viele anderen Grundlagen. Er will mich sogar mit zu einem Fußballspiel nehmen, aber leider haben wir das Wochenende schon mit einem Ausflug verplant. Für 100 Soles pp (ca. 26€) ein gelungener und satter Nachmittag.

Shopping & City Walking Tour

Ansonsten entspannen wir uns bei gutem Klima, tagsüber ist es über 20° C und wir sind ja auch „nur“ noch auf 2.300 m Höhe.  Am 4. Tag machen wir zuerst einen kleinen Ausflug zu H&M, da wir ein paar Klamotten austauschen müssen und vielleicht auch um dem Heimweh ein bisschen entgegenzuwirken ? Dafür nehmen wir den lokalen Bus, gar nicht so einfach den Überblick zu behalten, hier fahren Hunderte davon, und einer schreit immer aus dem Bus und zählt die Straßen und Bezirke auf, wo der Bus hinfährt. Wir haben natürlich keine Ahnung, fragen einfach ein paar Passanten, die uns netterweise weiterhelfen. Die Fahrt kostet 1,50 Sol (0,40€).

Nach dem ersten Shopping seit 7 Wochen (Tina ist ganz aufgedreht), machen wir Nachmittags noch eine City Walking Tour durch die Stadt, die wieder sehr interessant ist. Immer ein guter Einstieg in eine größere Stadt. Wir besuchen schöne Plätze und lernen unterhaltsame Dinge über die Geschichte.

In der Kirche La Compania, die von inne und außen wirklich sehr schön ist und zum UNESCO Weltkulturerbe gehört, gibt es ein Bild des Abendmahles, das deutlich die Vermischung von Kulturen und Religionen in Peru aufzeigt. Es gibt ein Meerschweinchen zu essen sowie Mais und Chilis, auf Judas Schulter sitzt ein Affe usw.

Wandern rauf und runter im Colca Tal

Am darauf folgenden Tag brechen wir zum Colca Canyon auf. Wir überlegen eine Tour zu buchen und informieren uns die Tage vorher bei verschiedenen Agenturen. Aber zum einen haben wir irgendwie keine Lust mehr auf irgendwelche Touren, die einem vorgeben, wann man wohin wie los muss (man soll am ersten Tag um 3:00 Uhr in der früh los, gääähhhn), zum anderen soll der Spaß wieder an die 150-200€ pp kosten, das sollten wir günstiger hinbekommen. Also fahren wir zum Bus Terminal Terrestre und nehmen den lokalen Bus nach Cobanaconde für 17 Soles (ca. 4,50€). Die Fahrt ist holprig und lang (7h), gefühlt nehmen wir an jeder Ecke jemanden auf oder lassen jemanden raus, aber ok, so ist das halt wenn man auf eigene Faust reist und nicht im schönen Touribus. Die Fahrt hat aber auch einiges zu bieten, es gibt tolle Aussichten, wir fahren bis auf ca. 5000 m vorbei an kargen Gebieten, vielen grasenden Lamas, Alpakas und Vincunas, an Vulkanen (von dem einer seit ein paar Monaten wieder aktiv ist) und nach dem Ort Civaya auch an tollen Terassenfeldern.

Nach langer Fahrt futtern wir erst mal was im Pachamama und lassen uns dort auch für mögliche Wanderstrecken beraten. Wir entscheiden uns für den Treck El Clasico, der ca. 18 km lang ist, es gibt zwar auch andere Möglichkeiten, die auch nicht so touristisch sind, aber wir wollen uns Zeit lassen und denken, dass es vielleicht gar nicht so schlecht ist, wenn man in diesen tiefen Schluchten ab und zu mal auf jemanden trifft. Das Colca-Tal ist die zweittiefste Schlucht der Welt und geht bis zu 3.300m tief, doppelt so tief wie der Grand Canyon.

Am drauf folgendem Tag morgens fahren wir aber erst mal mit dem Bus zum Cruz del Condor, der Aussichtspunkt um Kondore zu beobachten, die dort morgens an den Hängen die Thermik nutzen, um zu kreisen. Es ist viel los und wir können welche erahnen, einmal kommt einer so nahe, dass man zumindest eine Ahnung bekommt wie groß diese Tiere sind (Flügelspannweite bis zu 3m).

Um 10 Uhr geht es dann los in den Canyon mit einer Wanderkarte. Der erste Tag geht eigentlich nur runter, logisch, ist beschwerlich und vor allem heiß. Die Sonne knallt, die Aussichten sind aber toll.

Nach ca. 5h kommen wir in San Juan de Chucco an, und wir entscheiden uns dort bei Gloria für 10€ zu übernachten, da uns unsere Füße auch einfach nicht mehr weitertragen wollen.

Am nächsten Tag geht es dann nur noch mit kleinen Höhenunterschieden durch ein paar kleine Dörfer und mit tollen Aussichten Richtung Sangalle.

Auf dem Weg begegnen uns immer wieder kleine Läden, die im Hinterhof oft quiekende Meerschweinchen haben. Toll, dass die Leute sich so viele Haustiere halten ?

Wir kommen gegen 11 Uhr morgens in der sogenannten Oasis Sangalle an, ein tiefer Punkt im Canyon, in dem es nicht mehr karg und steinig, sondern eher tropisch zu geht. Wir genießen den Pool im Hostel Paradiso und realisieren, dass wir das erst Mal seit Reisebeginn schwimmen gehen.

Am 3. Tag im Canyon geht es nun wieder steil bergauf zum Ausgangspunkt, laut dem Hostelbesitzer einer der beschwerlichsten Aufstiege Perus. Und das stimmt, in 4 km Weg einen Höhenunterschied von 1300 m wett zu machen, bedeutet sehr steiles Aufsteigen und mit jedem Meter wird die Luft auch wieder dünner, da wir wieder auf 3400 m aufsteigen. Dazu kommt noch die Sonne, obwohl das eigentlich geht, da wir sehr früh losgehen (6 Uhr). Oben angekommen, verschwitzt, aber glücklich es geschafft zu haben, gönnen wir uns ein 2. Frühstück und nehmen dann den Bus zurück nach Arequipa. In Summe hat es sich auf jeden Fall gelohnt, aber wir beschließen auch, dass es mit dem Wandern (vor allem in der Höhe und hoch und runter) erst mal ein Ende hat, unsere Plattfüße und der Muskelkater stimmen uns zu ?

Zurück in Arequipa entspannen wir uns und erholen uns von den Strapazen. Wir planen unsere Reise weiter Richtung Lima und gehen lecker essen (auch nochmal bei Arthur).

Mal ganz nebenbei: Vulkane & Erdbeben

Beherrscht wird Arequipa durch die Vulkane in der nahen Umgebung, den 5822 m hohen kegelförmigen Misti und den 6057 m hohen Chachani. Das ganze Gebiet wird häufig von Erdbeben heimgesucht, im Durchschnitt gibt es täglich zwölf Erdbewegungen. Dies bekam auch schon des Öfteren die schöne Kathedrale am Plaza de Armas zu spüren. Am 23. Juni 2001 erschütterte ein schweres Erdbeben der Magnitude 8,4 die Region und ließ einen der beiden Türme der Kathedrale am Hauptplatz einstürzen. Dabei wurde diese auch schon 1868 schwer durch ein Erdbeben zerstört und das nach dem sie nach einem Brand 1844 gerade wieder aufgebaut wurde, erinnert mich fast an die Geschichte des Kölner Doms 🙂

3 Kommentare
  1. Johannes G
    Johannes G sagte:

    Wiedermal beeindruckend :-).
    Die selbstgemachten Pommes vom Kochkurs haben mich direkt an Lacanau erinnert, da haben wir doch auch mal welche gemacht, erinnert ihr euch :-).
    Gutes Essen ist bei euren Anstrengungen auch nicht verkehrt ;-).
    Guten Flug nach Kolumbien.

    Antworten
    • Ännchen
      Ännchen sagte:

      An die Pommes aus Lacanau kann ich mich aber auch noch sehr gut erinnern! Die waren gut 🙂

      Und Peru und Diana werde ich definitiv bereisen – das steht jetzt fest!

      Liebe Grüße an euch, ganz viel Spaß und tolle Abenteuer!

      Antworten
  2. gi
    gi sagte:

    Liebe Tina und lieber Micha,
    ich finde es ganz toll, wie Ihr uns mitnehmt auf Eurer Reise – mit so faszinierenden Erlebnissen.
    Ich sitze hier vor meinem Laptop in der Klevstraße, ganz gemütlich, habe es schön warm dank Heizung und sehe in eine, in Eure Traumwelt – wunderschön.
    Herzliche Grüße an Euch
    Gi

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