Der Dschungel im Amazonas war ein weiteres absolutes Highlight unserer Reise und eine ganz tolle Erfahrung für uns, wir haben zwar mehr geschwitzt in den 5 Tagen als in Deutschland das ganze Jahr über und haben unzählige Mückenstiche und Feuerameisenbisse, aber das war es wert. Unberührter Dschungel, Schwimmen im Amazonas, Schlangen und Piranhas fischen… aber von Anfang.

Von Lima buchen wir uns Flüge in die Stadt Iquitos, die über 1000 km nord-östlich entfernt liegt, mitten im Dschungel am Amazonas. Alternativ kann man dort mit Frachtschiffen hingelangen, die ein paar Tage fahren, Nahrungsmittel, aber auch Kühe, Hühner und Schweine an Bord haben und bei denen man in der Hängematte draußen übernachtet. Aber nach den vielen erlebten Abenteuern, wollen wir lieber entspannt anreisen und entscheiden uns für einen Flug mit VivaAir für 90 USD pp für Hin- und Rückflug.

Am Flughafen gibt es allerdings eine größere Überraschung, ich finde den Flug nicht auf dem Abflugbildschirm, auf Nachfrage wird uns mitgeteilt, dass der Flug 4 Stunden Verspätung hat, dass das allerdings schon seit Tagen bekannt ist und wir ja per Telefon informiert wurden. Wir sind nicht die einzigen die das verneinen, aber was soll man machen, in Europa würde ich jetzt Geld zurückfordern, aber hier gilt halt das Recht: Pech gehabt. Da wir aufgrund des in Lima stets unvorhersehbaren Verkehrs bereits um 12:30 Uhr am Flughafen sind, warten wir also 6 Stunden in der Abflughalle…

Angekommen in Iquitos schlägt uns erst mal die Hitze ins Gesicht, obwohl es schon Abend ist. Hier ist es sehr schwül bei ca. 35 °C. Wir werden von der Agentur abgeholt, bei der wir einen Trip vorab gebucht haben. In der Agentur wird uns erklärt, dass wir aufgrund der Verspätung heute nicht mehr zur Lodge können (die 120 km weiter entfernt im Dschungel liegt), sondern erst am nächsten Morgen. Ich verhandelte noch ein wenig, und zum Schluss einigen wir uns auf 240 USD für uns zusammen für 3 Tage/2 Nächte mit 3 Mahlzeiten am Tag sowie Transport und allen Aktivitäten. Wir buchen uns spontan in ein Hostel für die Nacht in Iquitos ein, trinken noch ein Bierchen und gehen früh schlafen.

Rosa Delfine, Schlammpackung und ein wunderschöner Sonnenuntergang

Wir werden mit einem Mototaxi (für uns besser bekannt als Tuk-Tuk) von unserem Hostel abgeholt und zum Hafen gebracht, dort geht es dann auf ein klappriges Boot Richtung Jacamar Expedition Lodge. Auf dem Weg halten wir öfters an, um Delfine zu beobachten, die hier nicht nur grau sondern so älter sie werden auch rosa sind.

Weiter geht es dann irgendwann über einen Zufluss an einen Anleger, bei dem wir durch ein kleines Dorf laufen müssen. Uns wird erklärt, dass während der Regenzeit der Amazonasspiegel um 4-5 m ansteigt und man dann den Weg per Boot nimmt. Überhaupt sind alle Wanderungen, die wir in den kommenden Tagen machen werden, in der Regenzeit gar nicht möglich, da dann alles überschwemmt ist. Daher sind die Häuser in dem Dorf sowie die Lodge auf Stelzen gebaut.

Angekommen in der Lodge gibt es erst mal Mittagessen (mit Fisch aus dem Amazonas, frittierten Bananen und Reis) und wir beziehen unsere sehr einfachen Zimmer. Das wichtigste für uns: es gibt ein Moskitonetz 🙂 Strom gibt es nur von 18-21 Uhr. Unser Guide Junior ist wie der Name schon sagt, relativ jung, aber spricht gutes Englisch, ist sehr nett und weiß sehr viel, da er von einem Stamm in der Nähe kommt (Bora).

Am Nachmittag geht es dann zum ersten Ausflug wieder zurück Richtung Amazonas, wo wir im Fluß schwimmen (gute Abkühlung!). Vorher schlägt ein Guide aber erst mal mit einem Stock auf das Wasser, um irgendwelche Fische zu verscheuchen, die einen beißen könnten…

Außerdem sollen wir uns mit dem umgebenden Matsch eine Schlammkur verpassen, das wäre sehr gut für die Haut, gesagt, getan 🙂

Nachdem wir den eingetrockneten Schlamm wieder abwaschen, gehen wir über Reisfelder und warten auf den sehr schönen Sonnenuntergang.

Abends geht es dann auf eine Nachtexkursion. Wir wandern von der Lodge aus direkt in den Dschungel, mit Gummistiefeln, Stirnlampen und Junior mit seiner Machete bewaffnet. Es fliegen uns unzählige Insekten ins Gesicht, was diese Wanderung sehr anstrengend macht, es ist ein verbitterter Kampf 🙂 Wir suchen eigentlich Taranteln, können aber heute keine finden, dafür sehen wir aber Skorpione.

Riesenbäume, schwing it like Tarzan und Termiten

Am 2. Tag geht es morgens auf eine Wanderung durch den tiefen Dschungel. Auf dem Weg erklärt uns Junior viel über die Bäume und Pflanzen und für was sie verwendet werden, als Medizin, zum Essen oder zum Häuser bauen. Wir sollen, wenn möglich nichts anfassen, da viele Pflanzen auch sehr giftig sein können. Er zeigt uns Termitenbauten, aus denen er Termiten auf seine Hand krabbeln lässt, sie verreibt und sich damit einschmiert. Das soll gegen Mücken helfen.

Außerdem schlägt er ein paar Lianen auf, und wir dürfen das herausfließende Wasser trinken, Survival Training 🙂

Wir gehen weiter, immer tiefer in den Dschungel, vorbei an verschlungenen Bäumen, Palmen, Blumen und Pflanzen bis wir einen Baum von großen Umfang erreichen, der ca. 35 m hoch ist. Uns wird erklärt, dass diese Spezies an die 65 m hoch werden kann und damit die zweitgrößte Baumart der Welt ist nach der in Sequoia in Kalifornien, sehr beeindruckend.

Danach geht es zu einer großen Liane, an der wir uns wie Tarzan durch den Dschungel schwingen können, ein großer Spaß 😀

Am Nachmittag geht es auf eine weitere Exkursion mit einer Wanderung zu einem See, wo wir uns auf die Suche nach dem Vogel Hoatzin machen wollen, der eine Verwandschaft mit dem Urvogel haben soll und laut Junior für einen Missing Link (fehlendes Glied) zwischen heutigen und ausgestorbenen reptilienartigen Vögeln gehalten wird (etwas für Vogelkenner).

Außerdem sehen wir noch eine Horde Kapuzineräffchen durch die Bäume springen sowie eine größere Schlange.

Am Abend geht es wieder auf eine Nachtexkursion, diesmal aber mit dem Boot, was um einiges angenehmer ist. Wir sehen Eulen, ein kleine Boa und möglicherweise ein Oposum, was aber schnell die Flucht ergreift.

Über schlammige Wege zum Piranhafischen

Am 3. Tag geht es dann (endlich) zum Piranhafischen. Mit dem Boot, das aber erst mal von Wasser befreit werden muss…

…geht es wieder irgendwo in den Dschungel und dann auf eine einstündige Wanderschaft zu einem See, in dem wir fischen wollen. Der Weg an sich ist allerdings schon sehr abenteuerlich. Diesmal habe auch ich meine Gummistiefel angezogen (Größe 44, wobei ich 46 brauche), was gut ist, denn es geht durch sehr schlammige Wege, und über viele Baumstämme, über die man gekonnt balancieren muss, um nicht in dem meterdicken Sumpf zu landen.

Nach verschwitzten 60 Minuten und einem Fastabsturz gelangen wir zum See. Dort gibt uns Junior unsere Angeln (ein längerer Stock mit Faden und Hacken) und zeigt Tina und mir unseren Angelspot. Dieser befindet sich auf einem umgefallenem Baum im See. Hier sollen wir wieder darüber balancieren, was aufgrund der sich im See befindenden Piranhas höchste Konzentration erfordert. Und dann geht es endlich los. Wir bestücken unsere Angeln mit Köder aus Hühnchenhaut und schmeissen sie in in den See. Meistens knabbern die Fische den Köder einfach ab, aber dann bekommt Tina den ersten Piranha an die Angel.

Und dann läuft es wie am Schnürchen, Tina fängt 8, ich leider nur 2, das muss am Anglerblut in ihren Adern liegen (Dank an Opa Hugo! 🙂 ). Aber ich muss die Piranhas für uns beide auch immer von der Angel holen, dass will Tina nicht machen, sie hat Angst um ihre Finger 🙂

Die Piranhas sind glitschig und zappeln wie wild und deren Zähne sehen schon gefährlich aus. In Teamarbeit fangen wir also ein gutes Mittagessen 🙂

Nachmittags geht es dann zurück nach Iquitos. Auf dem Weg kommt dann auch das erste Mal so richtig Regen runter. In Iquitos gehen wir noch über den Markt am Hafen und schauen uns die Spezialitäten an. Eine davon sind Maden (Suri), hier eine Delikatesse und weit verbreitet, ich halte eine Lebende in der Hand, gegessen werden sie gekocht oder frittiert, aber man muss ja nicht alles probieren 🙂

Am Abend gehen wir noch lecker Amazonasfisch essen, am nächsten Tag streunen wir noch was durch die Stadt bis unser Flug uns diesmal pünktlich und sicher zurück nach Lima bringt. Ein wirklich gelungener Ausflug mit ganz tollen Erlebnissen.

1 Antwort
  1. Johannes G
    Johannes G sagte:

    Unglaublich, was man in einem Dschungel alles machen kann :-).
    Bei den Mücken und kleinem Getier erinnere ich mich daran, dass wir damals im Outback in Australien so Netze über den Kopf gezogen haben, sah zwar völlig bescheuert aus und jeder wusste, dass man kein Einheimischer ist, aber es hat geholfen 🙂 🙂
    Sehr schöner Bericht!

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