Wiederkehr nach Vietnam

Wir überlegen lange, wie es jetzt weitergeht. Unser 30-tägiges Visum in Thailand läuft bald aus. Es zu verlängern würde pro Person ca. 30 € kosten, aber solange wollen wir dann hier auch nicht mehr bleiben, damit sich das lohnen würde. Es gibt Optionen nach Myanmar oder Laos, aber das Visum hierfür muss man erst beantragen bzw. kostet auch gut Geld. Also entscheiden wir uns letztendlich nach Zentralvietnam zu fliegen. Dahin wollten wir auch schon immer mal, und die Reise durch Südvietnam mit Saigon und dem Mekong Delta hat uns vor 3 Jahren gut gefallen. So sitzen wir also am Flughafen in Chiang Mai und warten auf unseren ersten Flug nach Saigon, um von dort direkt weiter nach Da Nang zu fliegen, und von dort wiederum ein Taxi nach Hội An zu nehmen. Wir fliegen mit Vietjet und alles läuft einigermassen ok ab, so dass wir nach 10 Studnen Reise dann endlich abends müde in unserem Hotel „Ivy Villa“ ankommen.

Tausende leuchtende Laternen in allen Farben

Wir wählen deshalb Hội An aus, da es eine der schönsten Städte Südostasiens sein soll. Sie liegt in Zentralvietnam und hat ca. 75.000 Einwohner. Als Küstenstadt liegt sie am Südchinesischen Meer in der Provinz Quảng Nam an der Mündung des Flusses Sông Thu Bồn. Hội An war einst der größte Hafen in Südostasien und lag an der Seidenstraße. Viele japanische sowie chinesische Einflüsse beherrschen das Stadtbild. Und vor allem Laternen und Lampions machen diese Stadt aus. Gerade am Abend, wenn es dunkel wird, leuchtet diese Stadt mit ihren vielen Lichtern und sieht einfach toll aus.

Uns erinnert die Architektur sowie die vielen gelben Gebäude an Cartagena in Kolumbien, wirklich ein schönes Städtchen. Gerne gehen wir in der Mittagszeit in eines der hippen Cafés etwas trinken und schauen uns das Treiben an.

Aber es ist auch sehr überlaufen. Vor allem im historischen Stadtkern tummeln sich ab nachmittags tausende von Touristen, so dass es schon anstrengend werden kann. Zum Glück dürfen aber nur Fußgänger und Fahrräder in den Stadtkern, was zumindest die Sache etwas angenehmer macht.

Und wo wir schon beim Verkehr sind, wir haben zumindest nichts schlimmeres bisher erlebt. Es ist zwar nicht ganz so schlimm wie in Ho Chi Minh Stadt, aber anstrengend genug, vor allem da wir als Fahrradfahrer auch selber am Verkehrstreiben teilnehmen. Bei der Überquerung einer Kreuzung braucht man mindestens 5 mal so viele Augen, wie man hat, um die Situation einzuschätzen. Vor allem Roller fahren einfach immer, egal ob rot oder grün, von links oder rechts, oder auch gerne mal als Geisterfahrer auf der falschen Fahrbahn. Darüber hinaus ist man vollkommen verwirrt von dem ganzen Gehupe. Hupen bedeutet für einen Vietnamesen nämlich einfach nur „hier komme ich“, und das bedeutet das er oder sie grundsätzlich und ständig Gebrauch davon macht. Ein unglaublicher Geräuschpegel, den man zusätzlich aushalten muss. Eigentlich stelle ich mir nur Indien noch schlimmer vor.

Um die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu besichtigen, muss man ein Ticket im Wert von 120.000 Dong (4,30 €) kaufen, mit dem man 5 von 18 Attraktionen besuchen kann. Natürlich vorne weg die Japanische Brücke (Chùa Cầu), das Wahrzeichen der Stadt. Gebaut wurde diese 1595, um das damalige chinesische und japanische Viertel zu verbinden. Außerdem besuchen wir chinesische Versammlungshallen und historische Häuser.

Des Weiteren besuchen wir die tolle und kostenfreie Gallerie von dem Künstler und Abenteurer Rehahn, die wirklich sehr lohnenswert ist. Hier kann man die vielen verschiedenen Trachten der verschiedenen vietnamesischen Völker begutachten sowie sehr schöne und eindringliche Fotografien von Vietnamesen.

Leckere vietnamesiche Küche

Unser Hotel liegt etwas außerhalb vom Stadtkern, aber es gibt umsonst Fahrräder, um in die Stadt zu gelangen. Aber erst mal müssen wir das Frühstück für den nächsten Tag bestellen, so läuft das nämlich hier ab. Neben westlichem Essen gibt es auch viele vietnamesische Gerichte, die man sich als Frühstück gönnen kann. Da ist z.B. das Nationalgericht Phở, eine traditionelle Suppe bestehend aus einer kräftigen klaren Brühe, Reisnudeln und dünnen Scheiben Rindfleisch, außerdem Lauch, Koriander, Minze, Chilis, Pfeffer, Limetten und Fischsauce, sowie vietnamesisches Basilikum. Oder das für Hội An typische Gericht Cao lầu, mit Nudeln, Schweinefleisch und Grünzeug aus der Region, auch sehr lecker und würzig.

Und wo wir schon beim Essen sind, darf in Vietnam das allseits herrschende Bánh mì natürlich nicht fehlen. Für mich als Sandwich Fan ein Traum und für erschwingliche 15.000-25.000 Dong zu haben (~0,70€). Das Baguette, das hierfür verwendet wird, steht dem Französischen in nichts nach, das es ja von ihnen während des Kolonialismus in Indochina eingeführt wurde. Es kommt in vielen Variationen, aber fast immer befindet sich Pastete, Mayonnaise, Koriander, Fischsauce, Karotten und eine Fleischsorte darauf, und es darf auch gerne mit Chilis schön „spicy“ (scharf) sein 🙂

Wir probieren das Bánh mì auf Empfehlung an verschiedenen Orten der Stadt. Dabei handelt es sich meist um einige Buden, die sehr an Streetfood erinnern. Zuerst geht es zu „Phi Banh Mi“, mit lecker Avocado, schmeckt sehr gut, aber der Inhaber ist irgendwie nicht sehr freundlich. Dann direkt 2x hintereinander zu „Madam Khanh“ (The Banh Mi Queen), hier gefällt uns, dass man nur eine Sorte bestellen kann, für uns ein Qualitätsmerkmal, gute Sauce und schön scharf. Und zu guter Letzt versuchen wir ein Sandwich bei „Bánh Mì Phượng“, den man schon vom weiten erkennt, da sich meistens eine meterlange Schlange vor dem Laden bildet. Hier hat schon Bill Clinton gespeist. Wir haben aber Glück und müssen nur 5 min warten, was auch damit zusammenhängt, dass wir zur unüblichen Essenszeit um 17:00 Uhr vorbeischauen. Hier schmeckt es auch sehr lecker, wir probieren die Standard Mix Version sowie wie eins mit gegrilltem Hähnchen und Käse. Der verwendete Streichkäse ist übrigens von „La Vache que rie“, wie man ihn hier oft sieht, scheint auch ein Überbleibsel der Franzosen zu sein 🙂

Zu unserer Überraschung befindet sich gerade auch ein ziemlich cooles Food Festival in der Stadt, bei dem es Essen aus der ganzen Welt gibt mit vielen bekannten Köchen. So essen wir zum Beispiel beim Franzosen einen köstlichen Crêpe oder beim Spanier eine frisch gekochte Paella.

Wir unternehmen auch ein paar Ausflüge (siehe Ausflüge rund um Hội An). Grundgedanke war eigentlich auch die nahegelegene alte Kaiserstadt Hue zu besuchen, aber da das Wetter nicht so mitspielt und wir keine Lust auf 5 Stunden Busfahrt hin und zurück haben, lassen wir das einfach, das Ganze soll ja nicht in Stress ausarten 😉

Wohnen inmitten von Reisfeldern & Gemüsegärten…

… und Strand & Meer sind auch noch um die Ecke! Wir ziehen nach ein paar Tagen nochmal um, das jetzige Hotel ist zwar ganz nett, aber wir wollen noch weiter außerhalb wohnen und entdecken umgeben von Reisfeldern und Gemüsegärten das schöne Hotel Christina’s. Hier gefällt es uns so richtig gut, auch weil man viel mehr Platz hat mit tollen Liegen und Betten. Für ca. 30€ bekommen wir hier schon richtigen Luxus und ein super Frühstück, in Deutschland müssten man dafür sicher das 3-4 fache bezahlen.

Die Gegend um das Hotel ist einfach nur traumhaft, ruhig und voller Natur. Mit dem Rad kann man super zwischen den Reisfeldern herumschwirren und die Ruhe geniessen.

Und direkt vor der Tür sind die sogenannten Tra Que Gemüsegärten, wo den ganzen Tag fleißige Vietnamesen ihre kleinen Felder bewässern, Unkraut zupfen, sähen und ernten, einfach schön hier zwischen den kleinen Gärtnern herumzustreunen. Das sogenannte Herb Village ist eine Art gemeinnützige Farm. Der Staat hat den den Menschen hier unentgeltlich ein Stück Land zur Verfügung stellt, die es dann biologisch bewirtschaften und sich so ihren Lebensunterhalt verdienen können.

Darüber hinaus ist man von hier innerhalb von 20 min mit dem Rad in der Stadt und in 10 min am An Nang Strand. Bei gutem Wetter machen wir davon auch Gebrauch. Das südchinesische Meer ist recht erfrischend, es gibt ein paar coole Wellen und wenn man für einen halben Euro ein Kaltgetränk (z. B. das Bier „La Rue“) zu sich nimmt, bekommt man noch Liege und Sonnenschirm oben drauf 🙂

Sehr groß und sehr lange Arme

Was natürlich in Hội An nicht fehlen darf, ist ein Besuch beim Schneider. Es soll an die 500 in Hội An geben und man findet wirklich an jeder Ecke einen. Wir besuchen ein paar, lassen uns über Stoffe und Preise beraten und entscheiden uns am Ende für „Bebe“, weil es von der Qualität einer der besten sein soll und da wir vom Hotel auch noch Rabatt bekommen. Wir entscheiden uns für hochwertige Stoffe und bezahlen für unsere Anzüge jeweils 150€. Bei mir kommt dann noch ein Mantel und ein Sommerjacket dazu. Beim Ausmessen wird es lustig. Mir wird immer wieder gesagt, dass ich sehr groß bin, sehr lange Arme habe und ein sehr breites Kreuz. Die kleinen Vietmanesinnen, die um mich herum wieseln, messen mich sogar zweimal aus, nur um sicher zu gehen, das alles stimmt. Das Messband wird dabei wie ein Lasso um meinen Hals geworfen, da sie mit ihrer reiner Armlänge kaum an meinen Kopf reichen.

Innerhalb von 24 Stunden können wir zur ersten Anprobe, auf die noch 2 weiteren folgen. Man darf sich das jetzt nicht so schick vorstellen, wie in Deutschland. Der Anproberraum ist ohne Klimaanlage und für europäische Verhältnisse ein bisschen schmuddelig, aber das Ergebnis ist gut und kann sich sehen lassen 🙂

Es ist übrigens sehr komisch, nach 10 Monaten in abgetragenen, teilweise kaputten Weltreiseklamotten dann auf einmal wieder einen richtigen Anzug aufzutragen, eine Ahnung, dass bald der Ernst des Lebens wieder beginnt.

Lest mehr über unsere Ausflüge in und um Hội An in unserem nächsten Beitrag…

1 Antwort
  1. I.Stockhausen
    I.Stockhausen sagte:

    Hallo ihr beiden, mal wieder beeindruckende Bilder. Euer Blog ist echt gut, eine tolle Erinnerung an eure Zeit des Reisens
    Ich könnte mir schon vorstellen, wenn ich mal weiter weg fahre, dorthin zu fliegen.
    Genießt noch den Rest dieser Reisezeit in Amsterdam.
    Maat et joot, für uns geht es auch gleich los
    Ma

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